Neu auf dem Krimimarkt

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Diagnose: Korruption, Drogenhandel, Misswirtschaft

Autor Ben A. Deyval® erhebt in seinem Erstlingswerk „K(L)EINE T.RÄUME“ die Anamnese für ein krankes Krankenhaus

Dass Ärzte auch schriftstellerisch tätig sind und sich im Geschichten Erzählen engagieren, das belegen Medizin-Romane, die immer mal wieder den Buchmarkt bereichern. In diesen Tagen ist im Eigenverlag erneut ein solcher erschienen: das Erstlingswerk „K(L)EINE T.Räume – Medizin-Geschichten Band 1: Berlin“ von Ben A. Deyval®. Der Autor, der seinen richtigen Namen nicht nennen will und nach eigenem Bekunden ein „still vor sich hin alternder Chirurg“ ist, schreibt unter Pseudonym. „Um sich, seine Kollegen und Patienten vor Nachfragen und Recherchen zu schützen“, lautet die Begründung in seiner Personalie. Das macht erst recht neugierig.

KLINIKleitung CONTRA Klinikpersonal

Ben A. Deyval® entführt den Lesenden hinter die Kulissen des letzten Berliner Krankenhauses in städtischer Führerschaft, dem der Verkauf an ein geheimniskrämerisches Ärztekonsortium und damit die totale Umstrukturierung droht. Der Autor zeigt zunächst den Klinikalltag, der sich trotz der wirtschaftlichen Zwänge als recht beschauliches Universum mit schrägen Charakteren entpuppt. Ob Arzt, Pflegekraft oder Patient, jeder kann in dem seit Jahrzehnten eingespielten System seine Schrullen ausleben. Die heile Welt gerät auf einer Belegschaftsversammlung aus den Fugen, auf der eine Schuldenmisere gigantischen Ausmaßes offenbar wird. Ist sie Folge von Korruption und mafiösen Machenschaften in der Verwaltungsleitung?  Diese Frage überschattet fortan den Klinik-Alltag. Die Suche nach der Wahrheit lässt eine tiefe Kluft zwischen Personal und Klinikleitung samt Sponsoren aus Politik und Wirtschaft offenbar werden. Die Animositäten gipfeln im Selbstmord eines Pflegers, der die Polizei auf die Tagesordnung ruft. Eine völlig missglückte, von einem Unbekannten sabotierte Katastrophenschutzübung weckt schließlich das Interesse der Medien an der Klinik: Ein Plot, der Spannung verspricht.

Unsere heutige Gesellschaft im Zerrspiegel

Deyval setzt ihn mit schwarzem Humor und rasantem Tempo um, wobei er ein hohes Maß Aufmerksamkeit abfordert. Statt über einen roten Faden führt er den Lesenden Episode für Episode vom Anfang bis zum Ende des Romans. Dabei räumt er Schilderungen über den Krankenhausalltag ausgiebig Platz ein. Tipp: Wer mehr über Krankheiten erfahren möchte, wird fündig.  Persönliche Konflikte und berührende Lebensentwürfe bilden den Gegenentwurf zu Sexszenen, die teils pornografisch wirken – vom Autor bewusst gewollt. Denn: „Nirgendwo wird das Welt- und Menschenbild handelnder Personen deutlicher als in der intimen Verletzlichkeit einer Liebesszene“, erklärt er in seiner Personalie. Alles in allem entsteht ein sehr reales Bild der heutigen Gesellschaft, fokussiert durch die Linse eines fiktiven Krankenhauses.

Rendite vor Menschlichkeit

Auf vielen Schauplätzen bedient sich Deyval medizinischer Fachsprache neben übertriebenem Alltagsjargon. Das ergibt einen Stil-Mix, der manchem gewöhnungsbedürftig sein mag. Die Handelnden sind mal mehr, mal weniger in ihrer Individualität dargestellt, kommen aber vor allem in Gruppenaktivitäten zum Vorschein. Auf jeden Fall findet der Lesende spannende Charaktere und fesselnde Handlungsstränge. Überdies stellen sich Spiegelungen eines Gesundheitssystems dar, das am Virus der Renditeerwirtschaftung (womöglich tödlich) erkrankt ist.

Wie der Deal um den Verkauf der Klinik endet, bleibt offen. „Weitere Aufklärung folgt“, verspricht der Autor. Band 2 „Bali“ ist für 2020 anvisiert.

Ben A. Deyval®: „K(L)Eine T.RÄUME – Medizingeschichten Nr. 1 – Berlin“
Epubli 03.08.2019, 380 Seiten
15,00 EUR, davon geht 1 EUR als Spende an ein Wiederaufforstungsprojekt
ISBN 978-3-748578-11-6